Tanja Ulrich
Was heißt denn „schraffieren“? Erfassung von Wortlernstrategien bei Grundschulkindern
In die Lehrpläne und Bildungsstandards für die Grundschule hat die Forderung nach der Unterstützung selbstregulierten Lernens und der Vermittlung von Lernstrategien bereits seit einigen Jahren Eingang gefunden (MSB 2021). Neben allgemeinen, fächerübergreifenden Lernstrategien, zum Beispiel zur Planung und Organisation des eigenen Lernprozesses, werden Strategien auch fächerspezifisch vermittelt (z. B. Rechen- oder Leseverständnisstrategien). Auch in sprachheilpädagogischen sowie sprachtherapeutischen Kontexten erfährt die Vermittlung von Strategien zur Förderung sprachlicher oder schriftsprachlicher Kompetenzen eine zunehmende Bedeutung (z. B. Motsch et al. 2022, Riehemann 2021, Laßmann/Ulrich 2020, Mayer/Marks 2020). Um erfassen zu können, ob und in welchem Umfang Kinder und Jugendliche bereits hilfreiche Strategien einsetzen, ob sie ggf. stattdessen von wenig zielführenden, kompensatorischen Strategien Gebrauch machen, und in welcher Situation sie welche Handlungsmöglichkeiten bevorzugen, bietet sich eine gezielte diagnostische Erfassung von Quantität und Qualität des kindlichen Strategiegebrauchs an. In diesem Beitrag werden Möglichkeiten vorgestellt, Wortlernstrategien bei Kindern im Grundschulalter erfassen zu können. | |
|
Christina Kauschke, Tobias Dörfler, Julia Siegmüller, Anne Tenhagen, Steffi Sachse
Die Patholinguistische Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen (PDSS): Einblick in ein Profilverfahren
Nach langjähriger Entwicklungsarbeit eines multidisziplinären Teams erschien Ende 2022 die neu konzipierte dritte Auflage der Patholinguistischen Diagnostik bei Sprachentwicklungsstörungen (PDSS), die sowohl als Print- als auch als Onlineversion vorliegt. Mit 10 Subtests aus den Bereichen Wortschatz, Aussprache und Grammatik lässt sich ein Sprachprofil erstellen, das ein umfassendes Bild sprachlicher Stärken und Schwächen von Kindern zwischen 2;6 und 6;11 Jahren abbildet. Neben Erweiterungen bereits bekannter Subtests wurden eine digitale Grammatikanalyse und eine Auswertung der Makrostruktur erzählter Bildgeschichten eingeführt. Im Rahmen der deutschlandweiten Normierung wurden Altersnormen berechnet und ein Vorgehen für mehrsprachige Kinder integriert (vgl. auch den Beitrag von Prepens und Wolfsperger in dieser Ausgabe). Mit den konzeptuellen und methodischen Verbesserungen sowie der Absicherung der Testgütekriterien erfüllt die Neuauflage der PDSS die Anforderungen an ein valides und anwenderfreundliches Testverfahren, dessen Grundzüge in diesem Beitrag dargestellt und an zwei Fallbeispielen illustriert werden. | |
|
Sabine Prepens, Joana Wolfsperger
Herausforderungen und Ansätze in der Sprachentwicklungsdiagnostik bei Mehrsprachigkeit
Der Beitrag thematisiert die Herausforderungen der Sprachdiagnostik bei mehrsprachigen Kindern und stellt aktuelle Empfehlungen vor. Die Heterogenität mehrsprachiger Kinder erschwert die Entwicklung von Diagnostikmaterialien, die präzise zwischen typischer und therapiebedürftiger Sprachentwicklung unterscheiden. Eine fundierte Diagnostik sollte anamnestische Angaben, Inputbedingungen sowie (nicht-)sprachliche Fähigkeiten einbeziehen und auf das Kind zugeschnitten sein. Besonders wichtig sind ausführliche Anamnesen und die Erhebung von Arbeitsgedächtnisleistungen. Da die Sprachkompetenz mehrsprachiger Kinder von den Inputbedingungen, soziokulturellen Aspekten und der Kontaktzeit mit dem Deutschen abhängen, müssen Ergebnisse von Testverfahren, die an einsprachigen Kindern normiert wurden, vorsichtig interpretiert werden (vgl. dazu auch den Beitrag von Kauschke et al. in dieser Ausgabe). | |
|
Angelika Bauer
Die Erfassung pragmatischer Fähigkeiten im Kontext Schule
Eine altersgemäße sprachliche Entwicklung zeigt sich letztendlich in der angemessenen Verwendung der erworbenen Kompetenzen im kommunikativen Kontext. Bei Kindern, deren Reaktion auffallend oft nicht dem erwarteten Verhalten in einer bestimmten Situation entspricht, erhärtet sich deshalb zunehmend der Verdacht einer pragmatischen Störung. Die diagnostischen Möglichkeiten zur Erfassung der pragmatischen Fähigkeiten beruhen in der Regel auf Beobachtungen oder Befragungen der Bezugspersonen des Kindes. Abseits der Schwierigkeit einer Vergleichbarkeit mit Normwerten aufgrund eines Mangels an Testverfahren soll in diesem Artikel beleuchtet werden, welche Schwerpunkte bei der Überprüfung pragmatischer Fähigkeiten im Kontext Schule gesetzt werden sollten und welche Möglichkeiten im Kontext Schule zur Erfassung der pragmatischen Kompetenzen eines Kindes zur Verfügung stehen. | |
|
Wolfgang G. Braun, Jürgen Kohler
Screening und Diagnostik früher kindlicher Redeunflüssigkeiten
Ausgehend von einem Fallbeispiel wird zunächst der Unterschied zwischen normalen und stottertypischen Redeunflüssigkeiten bei Kindern skizziert, um dann das beginnende Stottern in seinem Wesenskern näher zu beschreiben. Darauf aufbauend werden die kostenfrei zugänglichen Onlinetools RedeflussKompass und StotterKompass in ihrem Aufbau und ihrer Anwendung erläutert. Diese Tools können bei der Früherkennung, Ersterfassung und Planung von Frühinterventionen von Stottern eine bedeutende Rolle spielen. Allgemeine Gedanken zur Diagnostik bei Stottern schließen den Beitrag ab. › Der Artikel folgt somit einer logischen Praxisabfolge: Als Basis für diagnosegeleitete Interventionen im Bereich Redeflussstörungen braucht es Wissen über Erscheinungsformen von Unflüssigkeiten. Darauf aufbauend setzt eine Früherkennung sowie Differentialdiagnostik und im Falle eines beginnenden Stotterns eine differenzierte, systemische Betrachtung von Stottern zur Planung der Interventionen ein. | |
|
Konstantin Kneißl
Diagnostik von Stimmstörungen im Kindesalter
Der vorliegende Beitrag beleuchtet die für eine zielgerichtete Therapie unerlässliche differenzierte Diagnostik von Stimmstörungen im Kindesalter. Neben gängigen diagnostischen Methoden wie akustische und auditiv-perzeptive Analysen wird auch der Index zur persönlichen Stimmeinschätzung für Kinder (Ip-SKi), ein Instrument zur subjektiven Einschätzung durch Eltern und das Kind selbst, vorgestellt. Da Stimmstörungen häufig aus einer komplexen Wechselwirkung aus kindbezogenen, familiären und sozialen Faktoren resultieren, wird eine umfassende Diagnostik empfohlen. Diese berücksichtigt motorische, sprachliche und emotionale Entwicklungen sowie Umweltfaktoren. Die Integration interdisziplinärer Ansätze hilft, die Ursachen kindlicher Dysphonien zu identifizieren und geeignete Therapiemaßnahmen abzuleiten. | |
|
Uta Hellrung, Barbara Dr. Giel, Andrea Liehs, Barbara Dr. Giel
Diagnostik von komplexen Sprach- und Kommunikationsstörungen bei Kindern und Jugendlichen Yara, ein Mädchen mit Infantiler Cerebralparese, auf dem Weg zu ihrem Traumberuf
Die sprachtherapeutische Diagnostik von Kindern und Jugendlichen mit komplexen Einschränkungen von Sprache, Sprechen und Kommunikation ist ein aufwendiger und mehrschrittiger Prozess. Gleichzeitig ist die differenzierte Diagnostik ein unverzichtbarer Schritt im Versorgungsprozess und stellt wichtige Weichen für die spätere Versorgung und die adäquate › Förderung. Dieser Artikel soll Fachleute aus Sprachtherapie/Logopädie dazu ermutigen, ihre diagnostischen Kompetenzen auch bei Kindern mit komplexen Einschränkungen einzubringen und ihre Ergebnisse dem interdisziplinären Team zur Verfügung zu stellen. Anhand eines Fallbeispiels wird eine mögliche Vorgehensweise bei der Diagnostik Schritt für Schritt vorgestellt | |